Lago di Luzzone / 05.09.2017

[Tag 3] Am Morgen nach dem Aufwachen… AUA! Es ist klar, dass wir heute die KTM satteln und unsere Gehwerkzeuge schonen würden. Die vorgesehene Tour wurde – wie die meisten übrigens – schon zu Hause vorbereitet. Ziel ist über den Lukmanier ins Bleniotal zu fahren. Von da aus ist das Ziel der Lago di Luzzone mit seinem interessanten Staudammwerk. Später mehr dazu. Wir fahren los über den Lukmanierpass, der quasi vor dem Hause beginnt. In Blenio nehmen wir den  Abzweiger Richtung Campo Blenio, ein dortiges kleines Skigebiet. Ohne Fahrverbot schlängelt sich die enge und engste, steile Strasse hoch bis “geht-nicht-mehr”, alles in Allem ca. 13 Kilometer, das meiste davon im 1. und 2. Gang.

Ein überwältigendes Schauspiel von Eindrücken der Natur. Nach einem kurzen Halt gehts wieder auf dem gleichen Weg zurück. Danach wieder hoch – weiter zum eigentlichen Tagesziel, dem Staudamm/Stausee Lago di Luzzone. Der Staudamm kann sowohl über- als auch durchfahren werden. Über stark geometrisch angelegte Serpentinen gelangen wir zum Abzweiger Richtung erster Tunnel, ich komme darauf zurück.

Wir fahren weiter hoch hoch bis zu einem irrwitzigen Platz wo wir vor 3 Tunneleinfahren stehen. Ööh, welches Loch denn nun? Die Wegweiser waren für uns nicht zielführend. Also gut – links anfangen, durchfahren… OK, ein Parkplatz mit Werkseingängen und Ausblick auf den See. Zurück, mittlerer Tunnel: Auch Parkplatz, aber mit Zugang zu einem Restaurant mit riesigen Fenstern und Blick auf den Staudamm.

Umkehren zum Ausgangspunkt, rechter Tunnel. Oha – passt. Wir überqueren die Staumauer mit einem grandiosen Ausblick. Links der See, rechts gehts – staudammtypisch – ziemlich weit abwärts. Auf der anderen Seite ist dann Sackgasse. Nochmals die Nikon und das iPhone hervorgekramt und Fotos gemacht – mehr als nötig. Die Eindrücke bis hierhin sind überwältigend, schwer in Worte zu fassen. Im Schneckentempo über den Damm zurück.

Ein paar Höhenmeter herunterfahren und einschwenken zum Tunnel den wir zuerst sahen. Da fährt man auf ein Black Hole zu, das im Staudamm verschwindet. Und hopp, schon sind wir in der Staumauer drin. Der Tunnel ist eng, kreuzen nicht vorgesehen. Keine Lichtsignalanlage, dafür ein paar Ausweichstellen, die sehr bedacht eingesetzt werden sollen – Joker gewissermassen. Auf der anderen Seite – wie sollte es anders sein – wieder mehr als eine Option.

Wir wählen den linken Abzweiger und kommen auf eine Schotterstrasse, die offensichtlich dem Lago di Luzzone entlang führt. Kein Fahrverbot? Ungewöhnlich. Wir fahren die Strasse weiter und weiter, kreuzen und überholen tatsächlich freundlich grüssende und winkende Wanderer, sind erneut beeindruckt. Das Navi kennt hier schon lange keine Strasse mehr. Wir fahren weiter bis knapp ans Ende des Sees. Ende im Gelände. Neben ein paar wenigen anderen Fahrzeugen (u.a. einer Triumph Street Triple) stellen wir die KTM ab, machen auf Tenue légère, schnappen die Nikon und spazieren los bis ans hinterste See-Ende. Noch 200 Meter weiter, dann wenden und zurück. Bis hierhin sind wir uns einig, in eine andere Welt hineingefahren zu sein. Wir möchten alle Eindrücke behalten und mitnehmen.

Zurück bei der KTM fahren wir zurück zum Staudamm. Da war doch noch die Richtung rechts, oder? Genau! Eine sehr, sehr steile, enge Strasse führt uns etwa 500 Meter weiter, eine erste Spitzkehre geht noch im 2. Gang. Die Strasse wird noch steiler und enger, nie nächste Spitzkehre kommt in Sichtweite. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich die letzten Haarnadelkurven mit schleifender Kupplung im ersten Gang durchfahren musste, jetzt ist es aber 3 oder 4 Mal Tatsache. Schliesslich wird das Gelände etwas flacher (für sagenhafte 10 Meter) und schon haben wir wieder einen Tunnel vor dem Gesicht. Durchfahren und schon die nächste Staumauer. Haben die noch viel davon? Wir fahren weiter. Die Strasse wird schnell schlechter, dann unbefestigt und schliesslich folgt Schotter. Wir fahren 4 oder 5 Kilometer, durchqueren Wasserläufe und wundern uns, weshalb noch immer kein Fahrverbot einen Strich durch die Rechnung macht. Schliesslich kommen wir bei einer Alphütte mit einer schönen Gartenterrasse an. Wir trinken etwas, bestellen ein “chlises Plättli”, bekommen etwas Käse und selbstgemachte Mortadella, einen Filterkaffee wie vor 40 Jahren und bezahlen dafür satte 30 Swissbucks. Nun – unser bescheidener Beitrag an die Schweizer Berg-Landwirtschaft. Wir schmunzeln darüber. Auf Nachfrage folgt kein Fahrverbot bei Weiterfahrt. „Sie können noch etwa 6 Kilometer bis zu einer Berghütte fahren.“ Also los. Nach etwa 2 Kilometern wird aus Schotter SCHOTTER. Mit Strassenreifen und zu zweit macht das weder Sinn noch Spass. Also kehren wir um, fahren zurück, nicht ohne noch den kleinen Staudamm zu Fuss zu überqueren und ein paar Fotos zu schiessen. Weiterfahrt zurück durch die Mauer des Lago di Luzzone und schliesslich in gepflegter Fahrweise zurück über den Lukmanier nach Curaglia.

Karte