Piz Pazzola / 07.09.2017

[Tag 6] Am Vorabend erzählten wir dem Koch des Hauses – Einheimischer und jahrzentelanger Jäger – von unserem Plan “Oberalppass – Pazzolastock – Tomasee” erzählt (wobei der Pazzolastock nicht mit dem Piz Pazzola zu verwechseln ist). Er meinte das sei “nid nüt” und der Pazzolastock biete nicht allzuviel ausser steil rauf und steil runter. Wir sollen doch gegenüber von Curaglia auf der Krete wandern gehen. Wir könnten da mit Gemeindebewilligung für 10 Franken recht weit hoch fahren und das sei sein Jagdrevier, da könne er uns viele gute Tipps geben. Der Wetterbericht sieht zudem so aus, dass es überall einigermassen ok ist und nur auf dem Oberalp schifft . Also entschieden wir schon am Vorabend, liessen uns von Aluis Albin – eben besagtem Koch – die Route lang und breit erklären.

Also los gehts heute Morgen. Ursi kauft etwas Proviant und Trinken ein, ich hole die Bewilligung auf der Gemeindeverwaltung. Dann fahren wir Richtung Mutschengia steil hoch, am Schuss unbefestigt quasi bis “geht nicht mehr” mit dem RS. Unweit der beschriebenen Krete finden wir ein Plätzchen für unser Auto. Ab hier gibts für heute kein Wege mehr – auch keine Wanderwege und auch keine Markierungen. Die App von SchweizMobil leistet da sehr gute Dienste – wir wissen dass wir auf Kurs sind. Die steil ansteigende Krete Richtung Piz Pazzola hat es in sich. Der Boden ist ein einziger Teppich von Alpenrosen, Heidelbeeren, Preiselbeeren und Flechten. Wir treten wie auf einem flauschigen Teppich. Die Eindrücke des Berges, die umliegende Aussicht und die Wolkenformationen lassen uns den hohen Puls und das Brennen in den Oberschenkeln komplett ausblenden.

Schliesslich kommen wir – für unsere Begriffe – an eine Schlüsselstelle: Eine senkrecht aufsteigende Felsnase von etwa 10 Metern Höhe. Links des Grates gehts geschätzte 1000 Meter talwärts, rechts findet sich nur ein riesiges Geröllfeld mit metergrossen Felstrümmern. Wir beschliessen ca. 100 Höhenmeter zu “opfern” um das Geröllfeld zu umgehen, was sich später als Fehler herausstellen sollte. Bis zum Gipfel des Piz Pazzola sind es noch geschätzte 800 Meter, allerdings auch etwa 200 Höhenmeter. Wir suchen uns einen Weg im Gelände, der funktionieren könnte. Nach etwa 200 Metern müssen wir unser Vorhaben aufgeben. Zu steil, zu unbefestigt, wir rutschen ständig ab. Wir beschliessen, vom Couloir auf die rechte Krete, quasi die Rückwegsroute, hochzukraxeln – im Wissen dass wir uns dann erneut unterhalb des Piz Pazzola befinden, diesmal aber nur etwa 300 Meter… aber auch etwa 100 Höhenmeter. Auf der gegenüber liegenden Krete angekommen machen wir schon wieder mit gröbsten Felsbrocken Bekanntschaft. Links oder rechts umgehen ist mit Standardausrüstung nicht möglich. Soll dieser dämliche Piz Pazzola uns den Buckel herunterrutschen. Wir gehen ab diesem Punkt den Rückweg an, welcher uns immerhin noch über den Piz Ault führt. Dieser ist vergleichsweise “Pipifax” – ein wenig Trittsicherheit und Schwindelfreiheit vorausgesetzt.

Weiter talwärts, steil durch Felder von Alpenrosen erweist sich der Abstieg zur Alp Pazzola als zeit- und kräfteraubend, aber unbeschreiblich schön. Wenigstens finden wir unser Auto auf Anhieb und fahren ziemlich geschafft talwärts.

Aufstiegsepisode

An besagter senkrechter Felsnase beim Aufstieg hätten wir ca. 10 Höhenmeter durch das Geröll hindurch aufsteigen müssen und wären dann wieder auf der wiesenbewachsenen Krete gewesen und hätten so den Aufstieg zum Piz Pazzola bequem fortsetzen können. Nur sehen kann man das aus der Froschperspektive natürlich nicht. Wir werden davon erst am Abend beim Apéro erfahren.

Abstiegsepisode

Vom Piz Ault blicken wir auf die gegenüberliegende Krete – also unsere Aufstiegsroute. Es sind 3 Silhouetten wahrnehmbar. Zwei Personen und ein Velo. Dieses wird Richtung Piz Pazzola geschoben. Wir wollen wirklich nichts Genaueres darüber wissen.

Karte